"Ein Mann ist nicht zum Retten da!"- Dein Ausstieg aus destruktiven Beziehungsmustern
Zu Besuch im Kopf einer Frau im Rettermodus
„Ich möchte deinen verwundeten Körper mit meiner Sinnlichkeit gesund heilen.
Möchte deine traurigen Augen wieder zum Strahlen erwecken.
Ich möchte dich daran erinnern, wie schön das Leben und ja lebenswert die Liebe ist.
Möchte dich zurück ins Fühlen bringen und all das alte Schwere verdauen lassen.
Ich möchte dir zuhören. Dir jenen Raum des verstehen-werden, des gehört-werden, des gesehen-werden, schenken, den du niemals hattest.
Möchte dir ein Zuhause sein, in das du dich entspannt zurück lehnen kannst und nach dem du dich schon so lange sehnst.
Ich möchte die Verstrickungen zu deinen alten Beziehungen sanft und doch energisch lösen und dich ganz frei machen für das Wundervolle zwischen uns.
Möchte dich erinnern, an deine so wundervolle Kraft, an dein Potenzial, an das was durch dich in die Welt kommen möchte und was dich so sehr erfüllen wird.
Ja, das möchte ich. Ich bin dein Jackpot, dein Lotto-Gewinn, dein Schlüssel in die Heilung und Freude.”
Das wahre Bedürfnis darunter
“Doch was ich eigentlich möchte, was meine wirklich Motivation hinter all dem ist, das verschweige ich, ja das verschweige ich sogar vor mir selbst.
Dass ich die Leere nicht länger spüren möchte in meinem Leben, die Sinnlosigkeit und die Orientierungslosigkeit.
Dass ich mich so tief und schon so lange nach einem wahren Zuhause sehne.
Dass ich mich unlebendig, unsichtbar und unverbunden mit meiner Weiblichkeit fühle, wenn du nicht in meinem Feld bist.
Dass es mir viel leichter fällt, dich zu retten, als mich selbst zu retten.
Dass ich das Traumleben, das wir führen könnten viel mehr liebe, als die Realität, die da ist.
Dass es mir ein Gefühl von Ganzheit gibt, mich über dich zu stellen, und ich mich so viel größer und wichtiger fühle als alleine mit mir.
Dass ich unersetzlich für dich werden und mich so vor der Gefahr des Verlassen-Werden schützen möchte.“
Liebe Frau, ein Mann (und ja auch eine Frau), ist nicht zum Retten da.
Du hast bereits ein Projekt, in das du dich voll und ganz stürzen kannst, und das bist du selbst.
Du hast einen zutiefst wundervollen Job und der liegt darin, dich dir selbst zuzuwenden und zu lernen, dir eine gute beste Freundin zu sein.
Du darfst lernen, dir selbst ein Zuhause zu sein. Deine alten Gefühle zu verdauen. Die Verletzungen nach oben zu bringen und sanft zu heilen.
Du darfst alles dafür tun, um deine traurigen Augen wieder zum Strahlen zu bringen, deinen Körper voller Sinnlichkeit zu spüren und dein Licht auf die Welt zu bringen.
Das ist deine einzige und wichtigste Aufgabe hier. Alles andere, und das weißt du ja sowieso bereits, ist altes co-abhängiges Zeugs. Denn es funktioniert ja eh nicht. Du gibst und opferst dich auf und wirst am Ende verlassen.
Du gibst und liebst und plötzlich spürst du, wie die Wut nach oben kriecht und wie du voller Abschätzung auf diesen verletzten Mann schaust, der es sich erlaubt, nicht so gesund zu sein, wie du es angeblich ist.
Retten-Wollen als Ausdruck der Co-Abhängigkeit
Es ist eine bittere und zugleich befreiende Wahrheit: Das Retten-Wollen passiert selten aus reiner Menschenliebe heraus, es ist in den meisten Fällen ein Deal miteinbegriffen: “Ich rette dich, du bleibst bei mir. Du lässt dich retten, ich fühle mich existenzberechtigt und wertvoll.”
Es sind die alten Spiele und wahrscheinlich kennst du sie in-und auswendig.
Und, wenn du ehrlich bist: Du bist süchtig danach, weil sie dir Sicherheit geben- und, weil du es nicht anders kennst. Denn ein Teil der Co-Abhängigkeit ist die Bereitschaft für jede*n die Verantwortung zu übernehmen, nur für sich selbst nicht.
Der Ursprung dafür liegt tief in der Kindheit und in transgenerativen Mustern, die dafür gesorgt haben, dass du schon als Kind energetisch oder praktisch in die Verantwortung für deine Eltern gegangen bist. Ein Kind ist in erster Linie daran interessiert sein Überleben zu sichern und tut alles dafür, um das System zu stabilisieren und auszugleichen. Das hat zu einem frühen Gefühl der Verantwortung geführt- eine Verantwortung, die für ein Kind viel zu viel ist.
Anteile der emotionalen Überforderung haben sich dadurch abgespalten, weswegen du dich oft so leer und heimatlos fühlst- und immer noch verankert hast, dass du dich um andere Menschen kümmern musst, um da sein zu dürfen und geliebt zu werden.
Du siehst also: Dieses Verhalten-Muster des Retten, an dem du vielleicht schon viele Male gestrandet bist, wenn du das gerade liest, hat nichts mit Unvermögen oder Schuld zu tun, sondern hat seine Ursache. Und, weil du heute erwachsen bist, vermagst du es die Verantwortung der Heilung dieser Wunde zu überwinden.
Was will die erwachsene Frau in dir?
Und es gibt noch einen anderen Anteil in dir, der sehr machtvoll ist, wenn er erst Raum bekommt in deinem Leben und das ist die erwachsene Frau.
Die erwachsene Frau in dir, hat darauf keinen Bock mehr auf Retten. Sie möchte Lebendigkeit in sich fühlen, möchte präsent sein und Verantwortung für ihre Gefühle übernehmen.
Sie möchte voll und ganz auf der Erde ankommen und sie wünschst sich dafür ein Gegenüber und kein „Projekt“ mehr.
Sie hat ein starkes Verlangen nach echt gelebten Beziehungen statt sehnsuchtsvollen Fantasien.
Sie spürt sehr genau, dass es Zeit ist, diese subtile und sehr verführerische Form der Übergriffigkeit zu beenden.
Sie weiß auch: auch ein Mann hat darauf keinen Bock mehr. Er kann sich nur selbst heilen und im Kern weiß er das sehr genau. Ob er es angeht oder nicht, ist nicht ihr Business, es ist ganz alleine seins. Wichtig ist immer wieder zu verstehen: Ein erwachsener Mensch vermag es sich, sich selbst zu retten- was natürlich miteinschließt, sich bewusst Hilfe zu suchen.
Die erwachsene Frau in dir ist jener entschlossene Teil, der bereit ist, alles dafür zu tun, diese ungesunden Muster zu beenden und es ist Zeit, ihr mehr zuzuhören.
Das braucht viel Mut, den Mut dich deiner eigenen blinden Flecken, Leere und alten Verzweiflung zu stellen und mehr und mehr in die Nähe mit dir selbst zu gehen. In dieser Zeitqualität geht es zutiefst darum, emotional frei und selbstverantwortlich zu werden. Die Zeit ist reif. Für dich, für mich und für uns als weibliches Kollektiv.
Ich entwickele gerade das sehr kraftvolles Gruppenformat “Du bist Honig” zum Thema „Verkörperte emotionale Freiheit und Neuausrichtung“. Im April 2021 starten wir. Weitere Infos kommen bald. Stay tuned.
Ich danke dir für deine Zeit und Offenheit.
Sei gut zu dir und lass es Glitzern.
Von Herzen
deine Susanne
* Das kann genauso gut eine “Frau” sein und ich möchte dich unbedingt auch ansprechen, wenn du gleichgeschlechtliche Beziehungen führst oder auch, wenn du dieses Thema aus deinen Freundschaften zu Frauen kennst. Ich habe das Phänomen sehr oft in klassischen “Frauen-Männer”-Konstellationen beobachtet (und natürlich bei mir selbst) und habe den Titel daher so prägnant gewählt.